In der Rubrik Studien stellen wir jede Woche ausgewählte Arbeiten vor. Zum Start sind es zwei Übersichtsarbeiten, die jeweils viele Einzelstudien zusammenfassen und deshalb besonders aussagekräftig sind.
Review 1: Ultraschall bei chronischem Kreuzschmerz
Studie: Ebadi und Kolleginnen, Cochrane Database of Systematic Reviews, 2020. Umfang: 10 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 1.025 Teilnehmenden.
Die Studien stammen aus mehreren Ländern und wurden überwiegend in spezialisierten Einrichtungen durchgeführt. Meist wurde Ultraschall zusätzlich zu anderen Behandlungen eingesetzt, über sechs bis achtzehn Sitzungen.
Ergebnisse: Gegenüber einer Scheinbehandlung zeigte Ultraschall kurzfristig kaum einen Unterschied beim Schmerz (drei Studien, 121 Teilnehmende). Bei der rückenbezogenen Funktion fand sich ein kleiner Vorteil (vier Studien, 325 Teilnehmende), den die Forschenden als klinisch nicht bedeutsam einstuften. Zur Zufriedenheit fanden zwei Studien keinen Unterschied. Unerwünschte Wirkungen wurden in der einzigen dazu berichtenden Studie nicht beobachtet.
Qualität: Die Gewissheit der Evidenz reichte je nach Ergebnis von sehr niedrig bis moderat. Viele Studien waren klein, die Behandelnden waren nie verblindet.
Fazit der Autorinnen und Autoren: Die aktuelle Evidenz stützt den Einsatz von therapeutischem Ultraschall bei chronischem Kreuzschmerz nicht.
Review 2: Mikrofokussierter Ultraschall im Gesicht
Studie: Ling und Kollegen, Aesthetic Plastic Surgery, 2023. Umfang: 13 Studien mit insgesamt 477 Teilnehmenden.
Untersucht wurde mikrofokussierter Ultraschall zur Verjüngung und Straffung der Gesichtshaut. Die Wirkung wurde mit einer Skala zur ästhetischen Gesamtverbesserung beurteilt.
Ergebnisse: Nach 90 Tagen zeigten im Mittel etwa 77 Prozent der Behandelten eine Verbesserung, nach 180 Tagen etwa 69 Prozent. Ähnlich viele waren zufrieden oder sehr zufrieden. Der Schmerz während der Behandlung lag im Mittel bei etwa 3 von 10 Punkten, Abbrüche wegen Schmerzen gab es nicht.
Grenzen: Die Skala beruht auf Einschätzungen, nicht auf objektiven Messungen. Die Autoren fordern größere, randomisierte Studien, um die besten Einstellungen zu bestimmen.
Was der Vergleich zeigt
Beide Arbeiten sind systematische Übersichten, aber sie messen sehr Unterschiedliches. Beim Rückenschmerz wurde Ultraschall gegen eine Scheinbehandlung getestet, was eine strenge Prüfung ist. In der Ästhetik fehlen solche Vergleiche häufig, die Ergebnisse beruhen stärker auf Beurteilungen vor und nach der Behandlung. Wer Studienergebnisse liest, sollte deshalb immer fragen: Womit wurde verglichen, wie viele Menschen wurden untersucht, und wer hat die Wirkung beurteilt?

