Die äußerste Hautschicht, die Hornschicht, ist eine wirksame Barriere. Sie hält Wasser im Körper und schützt vor Keimen und Fremdstoffen. Das ist gut für die Gesundheit, aber eine Herausforderung für Cremes und Seren: Viele Inhaltsstoffe bleiben weitgehend an der Oberfläche. Seit Jahrzehnten wird deshalb erforscht, wie sich die Barriere vorübergehend und schonend durchlässiger machen lässt. Ein Ansatz ist Ultraschall. Fachleute sprechen von Sonophorese oder Phonophorese.

Wie Sonophorese funktioniert

Die meisten Forschungsarbeiten beschäftigen sich mit niederfrequentem Ultraschall im Bereich von etwa 20 bis 100 Kilohertz. In der Kopplungsflüssigkeit zwischen Schallkopf und Haut entstehen dabei winzige Gasbläschen, die schwingen und zerfallen. Dieser Vorgang heißt Kavitation. Er lockert nach heutigem Verständnis vorübergehend die Fettschichten zwischen den Hornzellen. Übersichtsarbeiten nennen daneben thermische Effekte und Strömungen in der Flüssigkeit als mögliche Mechanismen.

Im Labor konnte so die Aufnahme verschiedenster Stoffe durch die Haut gesteigert werden, auch die großer Moleküle. Die pharmazeutische Forschung sieht darin eine mögliche Alternative zu Spritzen für bestimmte Wirkstoffe. Gleichzeitig betonen die Autorinnen und Autoren, dass die biophysikalischen Abläufe noch nicht vollständig verstanden sind.

Höhere Frequenzen in der Kosmetik

Kosmetische Ultraschallgeräte arbeiten häufig mit deutlich höheren Frequenzen im Megahertz-Bereich. Dort spielt Kavitation eine geringere Rolle, und die Energie wird in den oberen Hautschichten aufgenommen. Eine Übersicht zu kosmetischen Geräten mit aktiven Transdermal-Technologien beschreibt Sonophorese als eines von mehreren Verfahren, neben Mikronadeln und schwachem Strom. Sie weist aber darauf hin, dass für kosmetische Anwendungen oft nur begrenzte Daten vorliegen.

Für die Praxis heißt das: Das Prinzip ist physikalisch gut untersucht. Ob und wie stark ein bestimmtes Pflegeprodukt bei einer bestimmten Geräteeinstellung tiefer in die Haut gelangt, ist dagegen meist nicht in unabhängigen Studien belegt. Aussagen dazu stammen häufig von Herstellern.

Was man beachten sollte

Wenn Ultraschall die Haut durchlässiger macht, gilt das nicht nur für erwünschte Inhaltsstoffe. Auch Duftstoffe oder Konservierungsmittel können leichter aufgenommen werden. Wer zu Allergien oder empfindlicher Haut neigt, sollte deshalb besonders auf die Zusammensetzung achten. Als Kopplungsmittel dient bei den meisten Geräten ein spezielles Kontaktgel. Ob zusätzlich Pflegeprodukte verwendet werden dürfen, legt die jeweilige Gebrauchsanweisung fest.

Bei Gelenkschmerzen wird Phonophorese mit entzündungshemmenden Gelen in der Physiotherapie eingesetzt. Eine Meta-Analyse zur Kniearthrose fand, dass der Effekt vom verwendeten Gel abhing, die Studien waren klein. Auch hier lohnt also ein nüchterner Blick.