Ultraschall ist Schall mit Frequenzen oberhalb des menschlichen Hörbereichs, also über etwa 20 Kilohertz. In der Medizin kennen ihn die meisten aus der Bildgebung. Daneben gibt es eine zweite, weniger bekannte Seite: Ultraschall als Anwendung, die Gewebe gezielt erwärmen oder mechanisch anregen soll. Genau darum geht es bei Ultraschall Wissen. Wir sammeln jede Woche, was Studien und Leitlinien zu zwei Bereichen sagen, die viele Menschen beschäftigen: Hautanliegen und Schmerzen in Muskeln und Gelenken.
Zum Start fassen wir zusammen, was man heute mit gutem Gewissen sagen kann. Die kurze Antwort lautet: Es kommt sehr darauf an, welche Art von Ultraschall, an welcher Stelle und wofür.
Drei sehr verschiedene Anwendungen unter einem Namen
Unter dem Begriff Ultraschall laufen Verfahren, die physikalisch wenig gemeinsam haben.
Therapeutischer Ultraschall in der Physiotherapie arbeitet meist mit Frequenzen um 1 oder 3 Megahertz. Die Schallwellen werden mit einem Schallkopf und Kontaktgel über die Haut geführt. Je nach Einstellung erwärmen sie das Gewebe leicht (kontinuierlicher Betrieb) oder sollen vor allem mechanisch wirken (gepulster Betrieb). Diese Form ist seit Jahrzehnten in Gebrauch und vergleichsweise gut untersucht.

Fokussierter Ultraschall in der Ästhetik (oft HIFU oder MFU genannt) bündelt die Energie auf winzige Punkte in einer bestimmten Hauttiefe. Dort entstehen kleine Wärmezonen, die das Bindegewebe zu Umbauprozessen anregen sollen. Diese Behandlungen werden in Praxen durchgeführt.
Kosmetischer Ultraschall mit niedriger Intensität, etwa in Studios oder in Geräten für zuhause, arbeitet ohne Fokussierung und mit deutlich weniger Energie. Er wird unter anderem zur Unterstützung der Hautpflege angeboten.
Wer Studien liest, sollte deshalb immer prüfen, welche dieser Formen untersucht wurde. Ergebnisse zum fokussierten Ultraschall lassen sich nicht auf einfache Pflegegeräte übertragen und umgekehrt.
Schmerzen: kleine Effekte, unsichere Datenlage
Für Muskel- und Gelenkschmerzen gibt es zahlreiche Studien und mehrere systematische Übersichtsarbeiten. Das Bild ist gemischt.
Bei Kniearthrose fand ein Cochrane-Review aus fünf kleinen Studien mit 341 Teilnehmenden eine leichte Schmerzlinderung, allerdings auf Basis von Studien geringer Qualität. Eine neuere Meta-Analyse mit 21 randomisierten Studien und 1.315 Teilnehmenden kommt ebenfalls zu einem kleinen Vorteil, vor allem für gepulsten Ultraschall. Die deutsche S3-Leitlinie zur Gonarthrose empfiehlt Ultraschalltherapie dennoch nicht, weil die Belege für einen Nutzen nicht ausreichen.
Beim chronischen unspezifischen Rückenschmerz ist die Lage klarer: Ein Cochrane-Review mit zehn Studien und 1.025 Teilnehmenden fand gegenüber einer Scheinbehandlung kaum einen Unterschied bei den Schmerzen. Die Nationale Versorgungsleitlinie rät von Ultraschall bei dieser Form des Kreuzschmerzes ab.
Bei Nackenschmerzen und myofaszialen Schmerzen, also Verspannungen mit tastbaren Triggerpunkten, deuten Meta-Analysen auf eine mögliche Schmerzlinderung hin. Die Autorinnen und Autoren betonen aber, dass die Studien uneinheitlich und teils methodisch schwach sind.
Zusammengefasst: Ultraschall kann bei manchen Beschwerden einen kleinen, meist kurzfristigen Beitrag leisten. Als alleinige Behandlung wird er von Leitlinien nicht empfohlen. Aktive Verfahren wie Bewegungstherapie stehen in fast allen Leitlinien an erster Stelle.
Haut: fokussierter Ultraschall gut untersucht, Pflegegeräte kaum
In der Ästhetik ist der fokussierte Ultraschall am besten untersucht. Eine systematische Übersicht mit 16 Studien fand, dass er leicht bis mäßig erschlaffte Gesichtshaut bei Frauen straffen kann. Eine Meta-Analyse mit 13 Studien und 477 Teilnehmenden berichtet, dass nach 90 Tagen rund drei Viertel der Behandelten eine Verbesserung zeigten. Die Effekte sind messbar, aber moderat, und die Behandlung ist häufig mäßig schmerzhaft.
Für Ultraschallgeräte ohne Fokussierung, wie sie in der Kosmetik und für zuhause angeboten werden, ist die Datenlage dünn. Es gibt Laboruntersuchungen und einzelne kleinere Studien, häufig von Herstellern selbst durchgeführt oder unterstützt. Solche Herstellerangaben kennzeichnen wir bei Ultraschall Wissen immer als solche. Gut belegt ist, dass niederfrequenter Ultraschall die Durchlässigkeit der Haut im Labor erhöhen kann. Wie stark das bei normaler Hautpflege im Alltag zum Tragen kommt, ist bisher wenig untersucht.
Sicherheit: worauf es ankommt
Therapeutischer Ultraschall gilt bei sachgerechter Anwendung als gut verträglich. In vielen Studien wurden keine oder nur leichte Nebenwirkungen berichtet. Bei fokussiertem Ultraschall sind vorübergehende Rötung, Schwellung und Druckempfindlichkeit häufig. Seltener kommt es zu Taubheitsgefühlen oder kleinen Verbrennungen.
Allgemein gilt: Ultraschall gehört nicht auf den Bauch in der Schwangerschaft, nicht über aktive Implantate wie Herzschrittmacher, nicht auf die Augen, nicht auf offene Wunden oder entzündete Haut und nicht über bekannte Tumoren. Wer unsicher ist, klärt die Anwendung vorher ärztlich ab. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag zu Kontraindikationen in dieser Ausgabe.
Wie wir bei Ultraschall Wissen arbeiten
Jede Woche erscheinen hier Beiträge zu Haut und Schmerzen in gleichem Umfang, dazu Hintergründe zu Technik, Anwendung, Studien und Recht. Wir verlinken jede Studie im Original und nennen die Zahl der Teilnehmenden. Wo die Evidenz schwach ist, sagen wir das. Wir geben keine Heilversprechen und ersetzen keine ärztliche Beratung. Unser Ziel ist, dass Sie Angebote und Aussagen rund um Ultraschall besser einordnen können.


